Polis

der typische Staatsverband

Die Kleinstadt (3500 Einwohner) am Nordwestende Zyperns ist das beliebteste Reiseziel für Individualreisende, die lieber in der Ferienwohnung von Mama Evlalia als im Sheraton wohnen, das Kafenion der Cafeteria vorziehen und abends gerne in einer urigen, möglichst einheimischen Kneipe speisen.
Auch Polis, von dem es vor nicht allzu langer Zeit noch hieß, es sei die einzige Stadt, in die sich des Nachts die Eulen wagten und von den Dächern riefen, lockt heute die von den Reiseveranstaltern organisierte Klientel. Besonders in der Umgebung wachsen Apartmentsiedlungen und Eigenheime, der Dorfplatz wurde zur guten Stube geputzt, es gibt Souvenirgeschäfte und Immobilienmakler. Aber noch fehlt das wirklich große Investment. Und noch haben hier als einzigem Ferienort Zyperns deutsche Gäste ein Übergewicht. Lange galt Polis Chrysochou, die „Stadt des Goldenen Landes“, wie der volle, Sehnsüchte weckende Name lautet, samt ihrem wildromanischen Hinterland unter Berliner Insidern als Geheimtipp.
Geschichte: Zwischen Strand und Stadt liegen die dürftigen Ruinen des antiken Marion. Der deutsche Altertumsforscher Max Ohnefalsch-Richter buddelte zu Kaisers Zeiten unzählige Gräber aus, die heute allesamt wieder mit Erde überdeckt und vergessen sind. Neuere Ausgrabungen haben hinter dem Krankenhaus die Spuren einer Basilika (6. Jh.) und eines griechischen Tempels (5. Jh. v. Chr.) aufgedeckt. Das im 10. Jahrhundert v. Chr. durch attische Kolonisten gegründete Marion lebte von der Verarbeitung und dem Export des im Hinterland gewonnenen Kupfers. Die bis in unser Jahrhundert ausgebeutete Ader folgt dem Lauf des Chrysochou-Flüsschens. In den Diadochenkämpfen um die Aufteilung des Alexanderreiches stellte sich Marion, das bei den Griechen schon immer als perserfreundlich verschrien war, gegen die Ptolemäer und wurde von diesen zerstört.

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