Neofytos-Kloster

Das

Als dem ruhelosen Mönch Neofytos beim Aufbruch zu seiner zweiten Pilgerfahrt ins Heilige Land schon am Hafen von Pafos die gesamte Barschaft abgenommen wurde, machte er aus der Not eine Tugend und ließ sich statt in Palästina an einer Quelle im Hinterland von Pafos nieder.

Kaum vorstellbar, dass der Heilige sich im 12. Jahrhundert als Einsiedler an diesen Ort zurückzog. Besonders an Wochenenden ist das Kloster ein regelrechter Rummelplatz, halb Pafos scheint zum Picknick zu kommen. Höhepunkt des Treibens ist der Namenstag des Heiligen am 28. September. Gerade ein Jahr soll Neofytos, der mit seinem weltlichen Leben auch eine entsetzte Familie und eine beleidigte Braut für immer verließ, mit Axt, Spaten und Gottes Hilfe geschuftet haben, bis er 1159 seine Enkleistra (Einsiedelei) aus dem Fels geformt hatte. Die Steine sind mit Verputz zu einer welligen, buckligen Fläche geglättet und über und über mit Fresken bemalt, wobei der Hausherr selbst mitgepinselt haben soll. An der Westwand stehen die Heiligen als in leichentuchartige Gewänder gehüllte Gestalten mit Eiszapfenbärten, deren Gesichter mit faltiger Stirn von Gram und Kummer gezeichnet sind. Sie könnten gerade eben von einer syrischen Säule herabgestiegen oder vom Krankenbett aufgestanden sein; jetzt halten sie ihre Kreuze oder entrollen die Pergamente mit den verheißungsvollen Formeln für die Seelenrettung.

In einem ganz anderen, höfisch eleganten Stil sind die Fresken in der winzigen Altarnische, die Theodoros Apsevdis, einem bekannten Maler aus Konstantinopel, zugeschrieben werden: z. B. der Verkündigungsengel über der Tür, dessen hellrote und weiße Gewänder in feinen, weichen Linien um die Füße wallen. Auch Neofytos selbst blickt von der Wand. Getragen von den Erzengeln und beflügelt vom eigenen Wunschtraum fliegt er, die Hände auf der Brust gekreuzt, gen Himmel. Sogar für seinen sterblichen Körper sorgte der Heilige vor und richtete in der Hähle ein Kammergrab ein.

Den Überresten des Neofytos ging es nicht besser als den Knochen anderer Heiliger oder den Mumien der Pharaonen. Spätere Generationen brachten den silbergefassten Schädel, der von den Gläubigen so oft und so gründlich geküsst wurde, dass ihn eine gelbliche Platina überzieht, samt den Gebeinen in die Klosterkirche (15. Jh.). Noch zu Lebzeiten des exzentrischen Heiligen kamen Fromme, die dem Einsiedler nahe sein wollten, und bildeten die Keimzelle der späteren Klostergemeinschaft. Neofytos war von seinen Anhängern wohl wenig begeistert. Er entfloh dem Trubel und baute sich weiter oben eine neue Höhle, die nur mit einer Leiter zu erreichen war, die er hinter sich hochzuziehen pflegte. Durch einen Schacht zur Kapelle konnte er die Messe hören, ohne selbst unmittelbar daran teilnehmen zu müssen.

Achtzigjährig starb Neofytos am 12. April 1215 und hinterließ uns neben religiösen Schriften auch eine Chronik, die zeigt, dass der Einsiedler zeitlebens über die große Politik auf der Insel bestens informiert war. Neofytos Historien (Betreffend das Unglück des Landes Zypern“ sind bis heute eine der wichtigsten Quellen über die Zeit des Isaak Komnenos und die Ankunft von Richard Löwenherz, dem „elenden Schuft, der in Zypern landete“, dem „niederträchtigen Bösewicht, der gegen Saladin, seinen Genossen im Übel, nichts ausrichtete, und es nur zuwege brachte, dass unser Land an die Lateiner verkauft wurde“, wie der Heilige in ganz unchristlichem Zorn notierte.

Museum: Das neu und gekonnt eingerichtete Klostermuseum zeigt eine exklusive Auswahl der über die Jahrhunderte angesammelten Schätze. Zwei Ikonen wurden noch zu Lebzeiten des Neofytos gemalt, eine Reihe Tonkrüge lange vor der Geburt unseres Herrn gefertigt. Während Zyperns Mönche noch bis ins 18. Jahrhundert religiöse Schriften in Handarbeit kopierten, bezog das Kloster auch schon in griechischen Lettern gesetzte Bibeln und fromme Druckwerke aus Venedig. Eine ausgestellte Landkarte, ebenfalls aus Venedig, trägt das Datum 1571 und ist einem Herrn der Familie Cornaro gewidmet – wohl ein Erinnerungsgeschenk an die im gleichen Jahr an die Türken verlorenen Besitztümer auf der Insel.

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