Lefkara

– Bergdorf

Besonders Pano Lefkara, das Oberdorf, gleicht in der Touristensaison einem Bazar. Großmütter, Ehefrauen, Schwestern und Töchter sitzen vor den Häusern und sind emsig beim Sticken.

Die Männer, wenn sie sich nicht als Schlepper betätigen, versuchen in den bald sechzig Läden des Ortes, die Handarbeiten – Tischdecken, Untersetzer, Servietten, Taschentücher und was noch alles mit Spitzen zu verzieren ist – an die Kunden zu bringen. Aber Vorsicht: Echte Lefkaritika haben ihren Preis und manche Stücke sind Billigimporte aus Taiwan. Bereits in Salamis soll die Stickerei heimisch gewesen sein und in Lefkara werden Spitzen mit Sicherheit seit der venezianischen Zeit produziert. Leonardo da Vinci soll 1481 eine Altardecke für den Mailänder Dom erstanden haben. Um 1900 wurden die Stickereien von Europa neu entdeckt. Reisende Händler brachten die Spitzen nach London, Paris und Berlin und kehrten nach Monaten mit viel Geld nach Lefkara zurück. Schon damals hatte der Ort, aus dem übrigens der Eremit Neophytos stammte, einen zweifelhaften Ruf. Bei der osmanischen Invasion lief das Dorf auf die Seite der Türken über. In der britischen Zeit enthielten die Ballen mit Spitzen, die nach Europa geschickt wurden, als „Beigabe“ des Öfteren Ikonen und andere Antiquitäten.

Mit ihren geometrischen, durchbrochenen Mustern, viel Mut zur freien Fläche, dem Flachstich und dem charakteristischen Hohlsaum sind die Lefkaritika ein einmaliges Gemisch aus griechischen, byzantinischen und venezianischen Einflüssen. Die Herstellung eines Tischtuchs etwa kann durchaus einige Wochen in Anspruch nehmen. Der Flachs für das beigefarbene Leinengewebe wurde bis 1974 um Morphou angebaut. Heute wird der Stoff aus Irland importiert, das Garn in zwei Brauntönen und Weiß kommt aus Frankreich.

Wer ein Gefühl für die Preise hat, kann in Lefkara auch Silberschmuck und Tafelsilber erstehen – nicht billiger als andernorts und auch keine irgendwie typischen Formen oder Muster, dafür aber in außergewöhnlich reicher Auswahl. Meisterstück der örtlichen Silberschmiede ist das wenigstens 700 Jahre alte Kreuz der Kirche Tou Timiou Stavrou, das beim alljährlichen Kirchenfest mit großem Pomp durch die Straßen getragen wird.

Außer Spitzen und Silber bietet das Doppeldorf einen schönen Anblick – besonders im Frühjahr, wenn alles grünt und blüht. Die Häuser sind stattlich, fast städtisch, und erinnern ein wenig an die Bergnester im Inneren Siziliens. Nicht zu vergessen: der traumhafte Ausblick. Die Sicht reicht bis zum Meer, der Leuchtturm am Kap Kition ist deutlich zu erkennen. Die Venezianer, die Lefkara als Sommerfrische schätzten, bauten hier diesen Turm als Teil einer Kette von Signalstationen zwischen dem Kap und Nikosia, über der sie mit Hilfe von Spiegeln einfache Nachrichten senden konnten. Auch der Kirchturm von Pano Lefkara verrät italienische Vorbilder.

Sollten Sie in Lefkara zufällig einmal mit irgendjemandem Schwierigkeiten haben und Gegenmaßnahmen erwägen, können Sie sich der Hilfe des Erzengels Gabriel bedienen. Das geht folgendermaßen: Nehmen Sie etwas Staub aus dem Haus Ihres Opponenten und etwas aus seinem persönlichen Besitz, am besten ein Kleidungsstück. Stiften Sie dann dem Erzengel einige Kerzen – als Archangelos Khorinos ist ihm eine kleine Kapelle (12. Jahrhundert) am alten Weg von Pano nach Kato Lefkara geweiht. Anschließend fahren Sie an die Küste und werfen den in das Kleidungsstück gewickelten Staub ins Meer. Über kurz oder lang wird der auf diese Weise Verwünschte Zypern verlassen müssen. So wirkt der Archangelos Khorinos, der „Verbannende Erzengel“.

Volkskundemuseum: Das Dorfmuseum ist in dem gründlich restaurierten Patsalos-Haus untergebracht. Gezeigt werden altes Küchengerät, Pithoi, Möbel und Einrichtungsgegenstände einer relativ wohlhabenden Familie vom Ende des letzten Jahrhunderts, Trachten und natürlich Beispiele von Stickereien. An einem unvollendeten Stück kann man gut die einzelnen Arbeitsstufen nachvollziehen.

Wachsmuseum: Wer hätte erwartet, in Lefkara Weltstars wie David Beckham, George Clooney und sogar Superman zu treffen? Lebensgroß, doch nicht ganz lebensecht, sondern aus Wachs. Inspiriert vom Londoner Kabinett Madame Tussauds ließ Lefkaras Museumsgründer und –leiter über 200 Wachsfiguren aufstellen. Neben Promis und Stars (einschließlich Disneyfiguren) steht die zyperngriechische Geschichte im Mittelpunkt – von der heiligen Helena bis zum gegenwärtigen Staatspräsidenten.

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