Larnaka

– Hafenstadt

Neben Limassol ist Larnaka (mit Vororten 80.000 Einwohner) heute die wichtigste Hafenstadt der Insel, sein Flughafen Zyperns Tor zur Welt. Die von Fächerpalmen gesäumte Uferpromenade mit ihren Straßencafés und Restaurants, der Badestrand mitten im Herzen der Stadt und der angrenzende Yachthafen wecken Erinnerungen an die Côte d’Azur.

Larnaka ist keine Großstadt wie Nikosia oder Limassol, aber auch wieder zu groß, um noch ein beschauliches Städtchen zu sein. Viele der älteren Bewohner sind Flüchtlinge aus der jetzt türkischen Zone, die in dem um die Erdölraffinerie gewachsenen Industriegebiet neue Arbeitsplätze gefunden haben. Seit 1970 hat sich die Zahl der Einwohner verdreifacht – ein Anstieg, der der Optik und dem sozialen Gefüge Larnakas zunächst nicht gut tat. Immerhin hat man mit der Verkehrsberuhigung der Uferpromenade, zu deren Umbau ein amerikanischer Stararchitekt die Pläne entwarf, der Stadt ein schöneres Gesicht gegeben.

Wer weiß, wie oft und mit welchen Gefühlen der Bürgermeister den Blick aus dem Amtszimmer über die Strandszenarie schweifen lässt. Der Tourismus hält sich im Zentrum in Grenzen und ist nur eine von mehreren Facetten. Eine andere ist ein lebendiges Basarviertel rund um die Lazaros-Kirche, die dritte die ruhigen Wohnstraßen des früheren Türkenviertels im Süden der Stadt. Nach einigen Gassen am Südende der Uferpromenade hat man jetzt auch das Vorfeld des Yachthafens restauriert und der Stadt damit zu einem repräsentativen Platz verholfen. Zur Touristenzone wurde nach 1974 der kilometerlange Sandstrand Richtung Agia Napa. Doch die Architektur ist hier eher belanglos, um nicht zu sagen hässlich.

Geschichte Larnaca

Larnaka steht auf den Ruinen des antiken Kition, das im 11. Jahrhundert v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde. Phönizische Händler bauten den Hafen im 8. Jahrhundert zu ihrem wichtigsten Stützpunkt auf Zypern aus. Bekanntester Bürger Kitions war der Philosoph Zenon, der in Athen die Stoa begründete, jene Denkrichtung, nach der der Mensch sich von seinen Begierden und Affekten befreien und, in „stoischer Ruhe“ nur von der Vernunft geleitet, die Gesetzmäßigkeiten der Welt erkennen soll. Zenons Büste steht, ganz still und stoisch, auf einem Podest mitten im Getümmel der Uferpromenade. In den Diadochenkämpfen um die Nachfolge Alexanders des Großen stand Kition auf der falschen Seite: Ptolemaios legte es in Schutt und Asche und der Ort sank zur Bedeutungslosigkeit herab. Der alte Name lebt noch im Kap Kition fort, der Landspitze südlich der Stadt.

Nach der genuesischen Besetzung Famagustas (1372) erlebte Larnaka eine zweite Blüte. Fremde Händler ließen sich nieder und nannten ihren Ort recht nüchtern Scala, nämlich „Hafen“. Um die Verwirrung zu steigern, wurde das alte Larnaka zeitweise nach dem nahen Salzsee auch Salina genannt – Salz war damals als Staatsmonopol eine wichtige Einnahmequelle. Von den Osmanen ist noch ein Aquädukt erhalten, das von 1745 bis 1939 Trinkwasser in die Stadt leitete. Auch das Hafenkastell datiert aus der osmanischen Zeit. In der wenig interessanten Moschee (beim Kastell) beten heute arabische Gläubige. Ab dem Mittelalter stand Larnaka in steter Konkurrenz zum Hafen von Famagusta. Schien es im 19. Jahrhundert daraus als Sieger hervorzugehen, wendete sich das Blatt mit der Eröffnung der Bahnlinie Famagusta – Nikosia. Von der türkischen Invasion profitierte Larnaka.

Sehenswertes Larnaca

Agios-Lazaros-Kirche: Schenkt man den Heiligenlegenden der Kirchenväter glauben, kam Lazarus, den Jesus von den Toten auferstehen ließ, nach Kition und wurde der erste Bischof der Stadt. Eine dem Heiligen geweihte Kirche steht über seiner ursprünglichen Grabstätte – der Sarkophag wurde erst 1970 entdeckt. Darin befand sich allerdings lediglich ein Schädel, der jetzt in einem vergoldeten Schrein aufbewahrt wird. 890 ließ Kaiser Leo die Gebeine des Heiligen nach Konstantinopel überführen und als „Entschädigung“ in Larnaka die Kirche errichten. Französische Kreuzfahrer entführten die Leiche nach Marseille, und heute zeigt man sie irgendwo im Burgund. Ob der Schädel also je auf den Schultern des Lazarus saß, bleibt zweifelhaft. Kinder unter sieben Jahren jedenfalls werden von der Krypta ferngehalten, auch Trauungen finden in dieser Kirche nicht statt – dem auferstandenen Lazarus haftet etwas Unheimliches an. Nie mehr gelacht haben soll er in seinem zweiten Leben, und das ist für Zyprer ein schrecklicher Gedanke.

In einem Teil der früheren Pilgerherbergen, die die Kirche umgeben, ist ein kleines Museum mit liturgischen Geräten und Ikonen eingerichtet. Karawanen brachten in monatelangen Märchen chinesische Seide aus Persien nach Aleppo. Dort übernahm die Levant Company die Ware und verschiffte sie über Larnaka nach Europa. Als letzte Spuren der Kolonie bleiben einige Grabsteine auf dem kleinen Friedhof der Lazarus-Kirche.

Archäologisches Bezirksmuseum: Schwerpunktmäßig Funde aus Kition und Choirokoitia, aber auch Exotika wie z. B. ein ägyptischer Sarkophag. Die Sammlung steht etwas im Schatten der Pierides-Schätze, Umbau und Erweiterung sind geplant.

Grabung Kition: Das antike Kition verbirgt sich unter den Häusern der modernen Stadt. Nur etwa 3 % der Fläche wurden bisher freigelegt, und auch davon ist nur ein Bruchteil zu sehen: Grundmauern der antiken Stadtbefestigung und des phönizischen Astarte-Tempels, eine Sache für Spezialisten also mit ausreichend Wissen und Phantasie, um die wenigen Steine zum Leben zu erwecken.

Pierides-Sammlung: In ihrem stattlichen Wohnhaus aus der Gründerzeit zeigt die Familie Pierides in einer über Generationen zusammengetragenen Sammlung römische Glaswaren, antike Keramik und alten Schmuck. Bemerkenswert die Terrakottafiguren einer Damenkapelle und die alten Landkarten. Gelegentlich führt frau Pierides persönlich durch die Ausstellung – ein Vorfahre ihres Gatten war deutscher Konsul.

Festung: Ein Mauergeviert, alte Kanonen und Geschütze (auch Krupp ist vertreten), dazu ein Raum mit Vitrinen, in denen archäologische Funde aus Kition und der Grabung am Salzsee ausgestellt sind; des Weiteren eine osmanische Sitzecke, deren Polster in irgendeinem, aber keinesfalls in einem historischen Stil bezogen sind.

Moschee: Auf dem Gelände der Cami Kebir, gleich neben der Burg, wohnt auch Südzyperns einziger vom Staat besoldeter Imam. Mohamed Sobhi, bezeichnenderweise kein Türke, sondern syrischer Nationalität, betreut auch die Gemeinden in Nikosia, Limassol und Potamia: alles in allem etwa 5000 Muslime, meist Araber, Kurden, Pakistanis, dazu die wenigen im Süden verbliebenen Zyperntürken.

Städtische Galerie/Paläontologisches Museum: Mit der Verlegung des Handelshafens an den Stadtrand schienen die alten Lagerhäuser am Nordende der Uferpromenade dem Abriss geweiht. Zum Glück nahm sich nach langem Hin und Her die Stadtverwaltung der Schuppen an und restaurierte das Ensemble mit Millionenaufwand. In zwei Hallen werden jetzt monatlich wechselnde Ausstellungen gezeigt. Das Museum rekonstruiert aus winzigen Knochensplittern die vorzeitliche Tierwelt Zyperns mit Zwergflusspferden und Dinosauriern und spricht damit außer Spezialisten vor allem Kinder an.

Naturkundemuseum: Volieren mit Singvögeln und Möwen machen im Stadtpark auf das kleine, vor allem für Kinder interessante Museum aufmerksam. Innen begegnet man nach der Begrüßung durch zwei ausgestopfte Mufflons präparierten Vögeln und Reptilien. Die Abteilungen mit den Versteinerungen und die meereskundliche Ausstellung sollen in die Ausstellungsräume am Yachthafen umziehen. Nur für Spezialisten von Interesse dürfte Zyperns größte Sammlung heimischer Insekten sein.

Wrack der Zenobia: Mit dem Unterseeboot „“ können Touristen in der Saison die wenige Seemeilen vor Larnaka auf Grund liegende „Zenobia“ besuchen. Dieser mit Lkws beladene Frachter sank auf seiner Jungfernfahrt 1980, da die elektronische Steuerung der Stabilisatoren verrückt spielte. Die „Sadko“ wurde in St. Petersburg speziell für touristische Exkursionen entworfen und gebaut. Statt in der beklemmenden Enge herkömmlicher U-Boote sitzen die 40 Passagiere in einem großzügigen Salon auf bequemen Sesseln und betrachten durch große Bullaugen die Unterwasserwelt. Eigens engagierte Taucher begleiten das Schiff und locken mit Ködern exotische Fische.

Baden und Sport in Larnaca

Der unmittelbar an der Promenade gelegene Stadtstrang ist im Sommer recht voll; nicht anders der Makenzie Beach (Sand und feiner Kies) zwischen Stadt und Airport, wo das Badevergnügen gelegentlich durch donnernde Jets beeinträchtigt wird. Beide Badestrände wurden durch eine breite Fußgängerpromenade und Palmen aufgewertet. Ruhiger geht es am Kap Kition zu. Ein 10 km langer, streckenweise mit einem Uferweg erschlossener Sandstreifen zieht sich im Osten von der Industriezone Larnakas bis nach Dekeleia. Die großen Hotelanlagen an diesem Strand verleihen Liegestühle und Sonnenschirme und sorgen für Speis und Trank. Insgesamt sind die Strände Larnakas nicht mit dem feinen gelben Stand von Agia Napa und Paralimni vergleichbar.

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