Kloster Kykko

Kykko

Das bekannteste und reichste Kloster Zyperns versteckt sich in den hintersten Wäldern des Troodos. Viele Gläubige bedanken sich für die Wunder, die sie Kykko zusprechen, mit Schenkungen oder Erbschaften. Mancher stiftet mit dem Hintergedanken, so dem Paradies etwas näher zu kommen.

Zur Verwaltung des klösterlichen Landbesitzes und der frommen Stiftungen unterhält Kykko in der Hauptstadt eine stattliche Villa mit angestellten Laien. Denn die Zahl derer, die in die Klöster auf immer einzutreten gewillt sind, nimmt im Unterschied zur Menge der Klostertouristen leider zusehends ab.

Auch in Shorts und unkeusch ärmellosen Blusen ist der Besuch des Klosters kein Problem. Die Souvenirbuden verleihen sackähnliche Kittel zum Überziehen. Ein Restaurant speist die besonders am Wochenende und in den Sommerferien kommenden Massen, Verkaufsstände bieten den üblichen Kitsch. Das stattliche „Gästehaus“ rief die Hoteliervereinigung auf den Plan, die darin eine unerwünschte Konkurrenz sah. In einem Kompromiss machten die Brüder das Zugeständnis, außer Zyprern nur „bedürftige“ Ausländer aufzunehmen, woran auch immer die zu erkennen sind. Auch wer sein Mittagsmahl abseits des Trubels einnehmen will, entrinnt nicht unbedingt dem klösterlichen Geschäftssinn. Eine Waldwirtschaft, 2 km von Kykko entfernt und bedeutend ruhiger, gehört ebenfalls dem Kloster.

Sonntagvormittag wird der Besucher Zeuge eines besonderen Spektakels. In der Kirche sind lange Wickeltische aufgestellt, auf denen Dutzende Babys, oft schreiend, darauf warten, bis auch sie an der Reihe sind, im Nebenraum von einem sichtlich gestressten Priester in das Taufbecken getunkt zu werden. Der suppentopfähnlichen Becken gibt es zwei – eines für Mädchen, das andere für Jungen. Peinlich achtet der mit einer Schürze bekleidete Pope darauf, dass kein Kind ins falsche Becken kommt. Wer nämlich im gleichen Taufwasser gebadet hat, darf später einander nicht heiraten. Der fromme Moment will fürs Familienalbum festgehalten werden: Ein Blitzlichtgewitter geht auf die armen Wichte nieder. Inzwischen zieht die Reihe der Angehörigen in einer feierlichen Prozession an der Ikonostase vorbei und küsst die Heiligen. Auch die frisch Getauften üben, noch unwissend und eher widerwillig, mit elterlicher Hilfe den Ikonenkuss.

Klostermuseum: Die gelungen gestalteten Ausstellungsräume zeigen Ikonen, liturgische Gewänder und andere Eitelkeiten der Diener Gottes: seien es feine, aus Holz geschnitzte und in Silber gefasste Miniaturkreuze oder Reliquienkästchen, in denen man seine Glücksbringer auch mit auf Reisen nehmen konnte. Sicher nicht für unterwegs gedacht war die 25 kg schwere russische Bibel. Als Souvenirs werden Dsivania und Nama, ein mit Kräutern verfeinerter Süßwein aus der Kellerei des Klosters Kykko feilgeboten.

Mosaiken: Das vielleicht nicht wertvollste, aber interessanteste Kunstwerk des Klosters wird nur jenen Besuchern gezeigt, die gezielt danach fragen. An der Wand des Konferenzsaals hat der junge Georgios Kepolas auf einem wohl 8 x 3 m messenden Mosaik die Gründung des Klosters festgehalten: Kaiser Alexios Komnenos überreicht dem Eremiten Isaias das Gnadenbild. Über ein Jahr arbeitete der Meister mit einem Gehilfen an dem aus 180.000 bunten Steinchen in 120 verschiedenen Farben zusammengesetzten Mosaik. Abt Nikiforos zeigte sich von der Arbeit so begeistert, dass er Georgios mit weiteren Aufträgen auch gleich eine Werkstatt im Keller des Klosters zur Verfügung stellte.

Throni tis Panagia: 2 km westlich ist auf dem Gipfel das Grab von Erzbischof Makarios zu finden. Er, der seine religiöse Laufbahn als Novize in Kykko begann, hatte sich diesen Platz zwischen Himmel und Erde bereits zu Lebzeiten ausgesucht.

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