Geroskipou

Das entlang der Durchgangsstraße wuchernde Städtchen (4200 Einwohner) ist schon fast mit Pafos zusammengewachsen. Obwohl der flüchtige Aufenthalt nur Fluchtinstinkte weckt, birgt der Ort zwei kleine Preziosen, die den kurzen Ausflug von Pafos her lohnend machen.

Geroskipou

Der Ortsname kommt von Hiros Kipos, nämlich „Heiliger Hain“. Man nimmt deshalb auch an, dass hier die Gärten oder ein im Zusammenhang mit dem Aphrodite-Heiligtum stehender Wald waren, was angesichts der wenigen Grünflächen im Ort heute nur noch schwer vorzustellen ist. Um die Jahrhundertwende schien Geroskipou auf dem Weg zur Industriestadt und besaß wirtschaftlich kaum weniger Bedeutung als das benachbarte Pafos. Es gab eine Leinenfabrik und eine Seidenmanufaktur, die die Kokons der von den Bäuerinnen der Umgebung gezüchteten Seidenraupenlarven zu Stoffen verarbeitete.

Heute ist Geroskipou für seine Töpfereien und die aus Nüssen und Trauben hergestellten Süßwaren bekannt, die man besser in den Gassen um die Dorfkirche und nicht an der Hauptstraße ersteht, wo die Leckereien leider häufig vor den Läden direkt in den Abgasschwaden hängen.

Sehenswertes Geroskipou

Heimatmuseum: Im Haus des Hadji Smith Zymboulakis ist ein kleines Dorfmuseum mit Schnitzarbeiten, Trachten, Stickereien und Hausrat eingerichtet. Der Name des Hausherren reizt zum Deuteln. Andreas Zymboulakis, ein Einwanderer von der griechischen Insel Kefallonia, hatte von einem gewissen Admiral Smith Rang und Rechte eines englischen Honorarkonsuls verliehen bekommen. Zum Dank nannte er seinen Sohn „Smith“. Und weil auch der junge Zymboulakis ein angesehener Bürger wurde und nach Jerusalem pilgerte, verlieh ihm das Volk den Ehrennamen Hadji.

Das bietet mehr als nur Dorfgeschichte und alte Steine. Positiv überraschte vor allem die ausführliche, in gutem Deutsch abgefasste Beschreibung, die der Besucher mit auf den Weg durch das Haus bekommt. Anhand des Textes und der Exponate lassen sich vergessene Handwerkstechniken wie Seidenspinnerei und der Weg vom Hanfstängel zum Leinentuch nachvollziehen. Die Werkstätten des Schmiedes und des Schusters sind nachgestellt; kunstvoll geschnitzte Brauttruhen, Gewänder, bemalte Flaschenkürbisse und andere Zeugnisse der bäuerlichen Lebenswelt werden gezeigt. Der letzte Absatz des Führers lobt den (verbauten) Ausblick und das (abgerissene) Nachbarhaus – hier hat die Zeit das überholt.

Agia-Paraskevi-Kirche: Die geduckte Dorfkirche mit ihren fünf in Kreuzform angeordneten Kuppeln geht auf das 8. Jahrhundert zurück und ist damit eine der ältesten Kirchen der Insel. Bei einer Restaurierung kam an der Südwand des Nordschiffes ein braunes Kreuz zutage, auch an der Ostkuppel über dem Altar wurden einfache florale und geometrische Muster entdeckt, wie sie während des Bilderstreites (728-843) üblich waren, als die Darstellung von Menschen zeitweise verboten war. Über diesen Ornamenten liegen Fresken aus dem 12. und 15. Jahrhundert.

Über die Gemeinde wacht von der Zentralkuppel herunter nicht wie üblich der Pantrokrator, sondern die Muttergottes. Der arg zerstörte Allherrscher Christus muss ausnahmsweise mit dem Platz in der Westkuppel vorlieb nehmen. In den sphärischen Dreiecken (Pendentif) am Ansatz dieser Kuppel stützt sich Moser vor dem Hintergrund des Sinaigebirges auf einen schwarzen Stock und Paulus diktiert einem Schreiber.

Bild by Franky/flickr

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