Asinou

Das Kirchlein von Asinou ist typisch für die Kapellen des Troodos. Die Mauern sind aus Quadern und unbehauenen Steinen gefügt und über das Tonnengewölbe ist ein ziegelbedecktes Satteldach gezogen, das die Kirche vor Schnee und Stürmen schützen soll. Sehenswert ist die von der in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommene Forviotissa vor allem wegen ihrer mittelalterlichen Fresken.

Asinou

© Bild by Woody Hanson/flickr.com – (CC BY-SA 2.0)

Nur noch Ruinen erinnern an das Dorf, unter dessen Namen die von Homer erwähnte Stadt Asine weiterlebte. Acht Familien wohnten auf dem Hügel über dem Kentron Forviotissa, dessen Wirt Panagiotis gern die versteckte Stelle mit den verlassenen Gehöften zeigt, wo er selbst noch seine Jugend verbrachte. Doch für das Dorf interessiert sich kaum ein Besucher. Sie kommen wegen der berühmten Kapelle.

Stifterbild: „Da ich im Leben mit vielen Dingen gesegnet war“, berichtet die Stiftungsinschrift von 1105, „welche Du, oh Jungfrau, mir im Übermaß hast zukommen lassen, habe ich, Magister Nekeforos, ein armer Bittsteller, voller Sehnsucht diese Kirche erbaut und bete als Pfand dafür, dass Du meine Fürsprecherin sein mögest am schrecklichen Tag des Jüngsten Gerichts.“ Die Fresken zeigen über dem Südtor den Stifter, für den Maria ein Modell der Kirche überreicht. Hinter ihm kniet eine unbekannte Frau, die auf dem Kopf ein juwelengeschmücktes Diadem trägt. Wer das abgebildete Kirchlein genauer betrachtet, wird gewahr, dass der Narthex und die Stützpfeiler fehlen – sie wurden der Panagia Forviotissa erst später angefügt. Das dem Tonnengewölbe übergestülpte Satteldach ist jedoch auf dem Bild zu erkennen, die Kirche wurde also von Anfang an mit dieser merkwürdigen, die Funktion eines Regencapes übernehmenden zweiten Hülle geplant und gebaut.

Fresken: Auch das Abendmahl und die Motive aus dem Leben Marias werden der Erstausstattung zugerechnet, wie fast der gesamte Westteil des Naos und die Apsis. Kein noch so kleines Stückchen Putz, das nicht bemalt wäre. Von den Wänden, von den Nischen und Bogenfeldern blicken streng und finster mahnend die Heiligen und ihre Heerscharen aus Einsiedlern, Kriegern und Propheten auf den schwachen, sündigen Menschen herunter, der in Gottes Haus Gnade sucht. Und was für Heilige: Mamas, der Helfer der Steuerbetrüger; Simeon, der Säulenheilige; der rittlings auf einem Pferd mit juwelengeschmücktem Zaumzeug sitzende Georg neben der heiligen Anastasia, der Giftheilerin; Johannes Chrysostomos, Kosmas, Menas, Isidorus und viele andere, die im Westen jedenfalls so keiner kennt. In der Nische links nach dem Eingang in den Naos sind die Vierzig Märtyrer von Sebasteia dargestellt. Nur mit der Unterhose bekleidet wurden sie von den Römern auf einen gefrorenen See gestellt. Auf Abtrünnige wartet am Ufer ein heißes Bad. Einer der Frierenden und Blutenden erliegt der Versuchung und stiehlt sich davon, doch seinen Platz, ganz links, nimmt sogleich ein Soldat aus der Wachmannschaft ein.

In der Auferstehungsszene über dem Allerheiligsten schwebt ein entrückter, doch gleichwohl Ehrfurcht gebietender Christus in seiner mit Sternen angefüllten Mandorla und hat den Blick irgendwohin auf einen imaginären, unendlich fernen Punkt gerichtet – er ist nicht bei der Sache, der die Heiligen ihre strenge Aufmerksamkeit widmen, ja überhaupt nicht mehr von dieser Welt. Anders sein gut zweihundert Jahre später gemaltes Ebenbild in der Vorhalle. Dieser Christus blickt milde und wohlmeinend, Daumen und Ringfinger schließen sich zu einem Ring, der Segensgeste, während unter ihm von Adlerschwingen getragene Engel durch die Kuppel gleiten. Über dem Paradies, wo die Heiligen die Seelen der Seligen im Schoß wiegen, sitzen die personifizierte Erde und das Meer und auf dem Bogen der Osttür wird es auf einem kleinen Stückchen Putz vollends weltlich, wenn ein Hügel mit zwei Schafen und Jagdhunden auftaucht.

Bild by Woody Hanson/flickr

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